Das muss man sich mal vorstellen: Ich, die immer schnell alles peinlich findet, mache mich zu schaffen an einem riesigen Sperrmüllberg gegenüber von unserem Haus und bete, dass unsere vielen Nachbarn aus unserem großen Gebäudekomplex nicht herunterschauen und mich beobachten. Aber selbst das ist es mir diesmal wert! Ich bin nämlich in der letzten Phase der Mission „kostengünstige Paletten-Couch“ unterwegs und genau DIESES Schaumstoffpolster mit genau DIESER Dicke von genau DIESEM Sperrmüllsofa fehlt noch zu meinem Glück! Ich beame mich gedanklich in eine menschenfreie Zone und mache mich mit dem Bastelmesser an dem alten Stoff zu schaffen. Als ich endlich alles freigelegt habe, schäle ich die Matratze heraus und renne im Endspurt mit der Beute aus dem Nachbar-Sichtfeld zurück zum Tatort.

Wie es zu so viel Selbstüberwindung kommen konnte? ;) Also, vor drei Jahren sind wir ja umgezogen in unsere Neubau-Wohnung in der Stuttgarter Innenstadt – wir kamen aus einer Mini-Maisonette-Wohnung mit drei noch minikleineren Balkons – jeweils kaum über einen Quadratmeter groß. Zum Sonnen saß ich da manchmal halb im Arbeitszimmer, halb auf dem Balkon  Was uns also unter anderem komplett fehlte, waren Terrassenmöbel für die riiiiieeeeeesige Terrasse. Mein Traum: eine große Kuschel-Rumhänge-Chill-Outdoor-Lounge für gemütliche Sommerabende mit Vino und Antipasti  Das Problem: Outdoor-Möbel in der Größe kosten ein paar Tausend Euro aufwärts – definitiv zu teuer, wenn man gerade noch dem Makler weißwieviel abdrücken musste und auch sonst noch etwas übrig haben möchte für alle kommenden Anschaffungen. Da musste wohl ein DIY-Projekt her! Immer wieder mal war ich im Internet auf ein paar tolle Paletten-Möbel gestoßen und fand, dass so etwas doch ganz genau zu uns passen würde. Unsere Paletten-Lounge nahm also in meinem Kopf Gestalt an. Und wenn ich erst mal so ne Idee habe, dann kann ich es ja kaum mehr abwarten… deshalb musste ich natürlich alles sofort abmessen, aufzeichnen, durchdenken, Freund überreden. Er fand es genauso cool wie ich und ich fing an zu planen.

Für alle diejenigen unter euch, die vielleicht ein ähnliches Projekt vorhaben, schildere ich euch jetzt mal den Ablauf – am Ende des Beitrags findet ihr dann auch eine pdf-Datei mit den genauen Abmessungen unserer Couch.

Es ging los mit einer Skizze unserer Chillecke – gar nicht mal allzu weit vom Endergebnis entfernt:

skizze-diy-pallettencouch

Zum Vergleich hier die fertige Konstruktion von oben (genaueres in der pdf-Datei am Ende dieses Posts):

einwegpalette-2-04

Ziemlich schnell hatte ich dann alles soweit fertig geplant – was wir brauchten waren 11 Europaletten aus einem Palettenhandel in Stuttgart, eine elektronische Schleifmaschine, eine Elektrosäge, ein paar sehr dicke Schrauben aus dem Baumarkt und Holzleim. Ich hatte super Hilfe aus meiner Familie: Mein Vater brachte uns mit einem Anhänger die Paletten vorbei und schleppte sie in Position – meine Mutter, die fast schon Profi-Heimwerkerin ist, übernahm vollautomatisch die komplette Projektorganisation und mein Freund besorgte im Baumarkt Schrauben und Co. Wir schleiften, sägten, stapelten aufeinander, verschraubten – und am Abend war sie schon fertig: unsere super coole und günstige neue Outdoor-Couch! (Alles in allem haben wir knapp über 300 Euro ausgegeben). Für mich ging die Arbeit danach natürlich weiter und DAS machte jetzt erst so richtig Spaß: DEEEEKOOOOO!!! Unsere alte Couch musste komplett dran glauben und wurde in Polsterstücke zerteilt. Es fehlte dann am Ende nur noch ein großes Stück Schaumstoff und wie es der Zufall so wollte, war in genau diesem Moment Sperrmüll vor unserer Haustür – es kam dann zur anfangs beschriebenen Szenerie ;)) Es fehlte jetzt nur noch der Polsterbezug: bei Ikea habe ich mir den günstigsen weißen Stoff geholt und die Bezüge mit Reißverschluss nähen lassen – so dass man sie hinterher auch mal abziehen und waschen kann. Und glaubt mir, das braucht man, wenn man der Innenstadt inmitten von Feinstaub lebt und außerdem noch schusselig ist ;) Ach ja, übrigens: meine Sperrmüll-Szene hätte ich mir ersparen können, wenn ich gewusst hätte, dass die Babymatratzen von Ikea ganz genau auf unsere gekürzten Sitzflächen gepasst hätten – exakt 120×60 cm groß. Tja, vielleicht hilft ja einem von euch der Tipp ;)

Und SO sah dann unsere fertige Couch aus, als sie gerade fertig war – und wir stolz wie Oskar:

terrassenmöbel-selbst-bauen

Inzwischen ist das zwei Jahre her – und wir sind so gerne draußen, dass wir einen Heizstrahler dazu gekauft haben. Selbst meinen Geburtstag im kalten Januar haben wir hier gefeiert und nicht zu vergessen die Fußball-WM. Dazu haben wir den Beamer draußen installiert und ne Leinwand aufgehängt – und klar: schwarz-rot-gold-Deko. Das sah dann so aus:

fußball-party-dekoration

Und dann das Happy-End:

722127-grosser-abend-grosser-titel-grosses-tamtam

… Und wenn wir mal Lust haben, nen Sommerbett draus zu machen, dann legen wir einfach ein Brett quer drüber, puzzeln die Matratzen an die richtige Stelle und schon kann man hier gemütlich liegen:

outdoor-möbel-selbst-gemacht

Ihr seht also: Wir sind total happy mit der DIY-Couch und genießen unser Zweitwohnzimmer seither so richtig. Und falls jetzt jemand Lust bekommen hat,  diese Couch oder eine ähnliche nachzubauen, habe ich hier noch eine Anleitung_PDF für euch gebastelt, in der ihr die genaue Konstruktion anschauen könnt. Bei Fragen könnt ihr natürlich auch gern ein Kommentar schreiben – und klaro freue ich mich auch über Feedback zu meinem ersten Blog-Artikel ;)

Eure Sammy